Das Bild zeigt Personen, die für ein Foto posieren: ): Ron Keßeler (Geschäftsführer der Stadtwerke Borken), Prof. Thomas Giel (Hochschule Mainz), Ramon Wolsink (Fachabteilungsleiter Abwasserbeseitigung der Stadt Borken), Markus Niehaus (Stadtwerke Borken), Benedikt Spieker (Technischer Dezernent des Kreises Borken), Jürgen Kuhlmann (Technischer Beigeordneter der Stadt Borken), Bürgermeisterin Mechtild Schulze Hessing sowie Christian Mildenberger (Geschäftsführer der Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz NRW.Energy4Climate)
Setzen sich gemeinsam für die kommunale Wärmewende ein (von links): Ron Keßeler (Geschäftsführer der Stadtwerke Borken), Prof. Thomas Giel (Hochschule Mainz), Ramon Wolsink (Fachabteilungsleiter Abwasserbeseitigung der Stadt Borken), Markus Niehaus (Stadtwerke Borken), Benedikt Spieker (Technischer Dezernent des Kreises Borken), Jürgen Kuhlmann (Technischer Beigeordneter der Stadt Borken), Bürgermeisterin Mechtild Schulze Hessing sowie Christian Mildenberger (Geschäftsführer der Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz NRW.Energy4Climate).

Gemeinsam für die kommunale Wärmewende

Gemeinsame Pressemitteilung des Kreises Borken, der Stadt Borken und der Stadtwerke Borken: Stadt, Kreis und Stadtwerke Borken erhalten rund 6,1 Millionen Euro für den Aufbau eines durch die Nutzung von Abwasserwärme gespeisten kalten Nahwärmenetzes

Borken. „Die Stadt, der Kreis und die Stadtwerke Borken wollen bei der Gestaltung der kommunalen Wärmewende eine aktive Rolle übernehmen", sagt Bürgermeisterin Mechtild Schulze Hessing. „Wir freuen uns daher sehr, dass uns das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit in dieser Woche Fördermittel in Höhe von rund 6,1 Millionen Euro für den Aufbau eines durch die Nutzung von Abwasserwärme gespeisten kalten Nahwärmenetzes zur Versorgung öffentlicher Liegenschaften gewährt hat", ergänzt die Bürgermeisterin. Die Mittel stammen aus dem Förderaufruf für investive kommunale Klimaschutz-Modellprojekte im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative. Die Realisierung des ambitionierten Projektes würde nach einer qualifizierten Kostenschätzung aus dem Jahr 2025 Investitionskosten in Höhe von rund 10,5 Millionen Euro brutto verursachen.

„Das Projekt besitzt bundesweiten Modellcharakter und ist zugleich ein bedeutender Meilenstein für die kommunale Wärmeplanung in Borken", erklärt Ron Keßeler, Geschäftsführer der Stadtwerke Borken. „Mit der Nutzung von Abwasserwärme erschließen wir eine bislang weitgehend ungenutzte Wärmequelle direkt vor Ort. Gemeinsam mit unseren kommunalen Partnern entwickeln wir eine langfristig ausgelegte Wärmeinfrastruktur für öffentliche Einrichtungen", fügt Keßeler hinzu. „Unser Ziel ist es, die Wärmeversorgung des Kreishauses, der Kläranlage, der Jodocus Nünning Gesamtschule und der zentralen Einrichtungen wie der Neumühlenschule noch unabhängiger vom Einsatz fossiler Brennstoffe und externer Energielieferungen aufzustellen. Idealerweise gelingt uns eine deutliche Reduzierung des Einsatzes fossiler Energieträger in der Wärmeversorgung der genannten Liegenschaften", sagt Benedikt Spieker, Technischer Dezernent des Kreises Borken.

Christian Mildenberger, Geschäftsführer der Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz NRW.Energy4Climate, erklärt: „Abwasser ist eine bislang vielfach unterschätzte Energiequelle direkt vor unserer Haustür. Allein in Nordrhein-Westfalen können wir perspektivisch rund zehn Prozent des Gebäudewärmebedarfs aus der Wärme von Kläranlagen und Kanalnetzen decken. Gerade weil viele kommunale Kläranlagen in den kommenden Jahren ohnehin modernisiert werden müssen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, diese Infrastruktur auch energetisch neu zu denken. Projekte wie hier in Borken zeigen, wie Kommunen mit Abwasserwärme eine lokale, verlässliche und überwiegend auf Abwasserwärme statt fossilen Energieträgern basierende Wärmeversorgung aufbauen können – und damit zugleich unabhängiger von Öl und Gas werden. Mit der Initiative Abwasserwärme NRW begleiten wir Städte und Gemeinden dabei von der Potenzialanalyse bis zur konkreten Umsetzung."

„Bundesweit existieren bereits erfolgreiche Projekte, bei denen die Wärme des Abwassers direkt über in der Kanalisation verbaute Wärmetauscher genutzt wird. Für das Projekt in Borken wurde sich jedoch bewusst dafür entschieden, die Wärme erst nach dem Reinigungsprozess im Ablauf der Kläranlage zu entnehmen. Dadurch kann eine besonders stabile, hygienisch unbedenkliche und betriebssichere Wärmequelle für das kalte Nahwärmenetz genutzt werden", erklärt Prof. Thomas Giel von der Hochschule Mainz. Der Energieexperte hat die Stadt Borken bereits beim Aufbau einer zentralen Wärmeversorgung im Neubaugebiet im Schmeing-Gelände in Weseke unterstützt.

Im Ablauf der Kläranlage habe das Abwasser selbst in den kältesten Wintermonaten eine Temperatur von mindestens 10 Grad Celsius. Diese konstant hohe Temperatur mache das gereinigte Abwasser zu einer bedeutenden, bislang weitgehend ungenutzten Wärmequelle. Bereits durch das Absenken der Abwassertemperatur um nur ein Grad Celsius ließe sich eine Wärmeenergie von rund 768 kWh pro Stunde entziehen. Würde das Wasser – was technisch möglich wäre – um fünf bis sechs Grad Celsius abgekühlt, entstehe innerhalb von nur drei Stunden mehr nutzbare Wärmeenergie, als ein durchschnittliches Einfamilienhaus im gesamten Jahr benötige.

„Wir wollen daher im Ablauf der Kläranlage einen Wärmetauscher installieren", sagt Markus Niehaus von den Stadtwerken Borken. Die entnommene Wärme solle dann in ein kaltes Nahwärmenetz – vergleichbar zum Wärmenetz im Schmeing-Gelände – eingespeist und zur Kläranlage, zum Kreishaus, zur Jodocus Nünning Gesamtschule und zu den zentralen Einrichtungen transportiert werden. „Das kalte Nahwärmenetz kombiniert niedrige Systemtemperaturen mit bewährten Materialien und einem flexiblen technischen Aufbau. Auf diese Weise entsteht ein System, das mit niedrigen Systemtemperaturen und reduziertem Primärenergieeinsatz arbeitet und zugleich wirtschaftlich sowie langfristig ausgelegt ist", ergänzt Niehaus.

Um die öffentlichen Liegenschaften zukünftig verstärkt mit Abwasserwärme versorgen zu können, muss deren Wärmeversorgung erneuert werden. Angedacht ist insbesondere die Installation von Großwärmepumpen mit Pufferspeichern. Durch die dezentrale Installation von Großwärmepumpen soll die Energieeffizienz gesteigert und eine flexible und bedarfsgerechte Wärmeversorgung ermöglicht werden. „Großwärmepumpen gehören zudem zu den Wärmeerzeugern, die flexibel auf die schwankende Einspeisung von Strom aus Wind- und Sonnenenergie reagieren können. Sie können gezielt dann betrieben werden, wenn ein hohes Stromangebot im Markt verfügbar ist, und so flexibel auf die Situation im Stromsystem reagieren. Durch den Betrieb bei niedrigen Strompreisen können gleichzeitig die Wärmegestehungskosten reduziert werden", führt Niehaus weiter aus. Zudem ließen sich einzelne Komponenten im System unabhängig voneinander warten oder austauschen, was die Betriebssicherheit erhöhe. Perspektivisch könnten weitere Liegenschaften oder auch Wohn- und Gewerbegebiete grundsätzlich an das kalte Nahwärmenetz angeschlossen werden.

Gegenwärtig rechnen die Stadt, der Kreis und die Stadtwerke Borken mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 10,5 Millionen Euro brutto. Bei einer Förderung von 6,1 Millionen Euro verbleibt ein Eigenanteil von rund 4,4 Millionen Euro brutto. Zudem wird das bundesweite Klimaschutz-Modellprojekt wissenschaftlich begleitet.

„Wir sind fest entschlossen, das Verbundprojekt fristgerecht bis Sommer 2030 umzusetzen", sagen Mechtild Schulze Hessing, Ron Keßeler und Benedikt Spieker. „Der Aufbau eines durch die Nutzung von Abwasserwärme gespeisten kalten Nahwärmenetzes zur Versorgung öffentlicher Liegenschaften ist ein wichtiger Baustein für die kommunale Wärmewende." Die hierfür erforderlichen Schritte würden nun zeitnah initiiert.

Ansprechpartnerin

Antje Evers

Pressesprecherin | Öffentlichkeitsarbeit

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die Mitarbeiterin Evers Antje.